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Monthly Archives: September 2016

Unilever kauft Nachhaltigkeit in das Portfolio

Unilever kauft Seventh Generation

Der Konsumgüterriese Unilever investiert in Produkte mit Nachhaltigkeitsanspruch und holt sich den US-Reinigungsmittelhersteller Seventh Generation ins Portfolio. Das Unternehmen setzt auf pflanzliche Inhaltsstoffe und vertreibt seine Artikel über Händler wie Target oder CVS Pharmacy.

Kosten werden nicht genannt

Der Konsumgüterriese Unilever hat bei einem Haushaltsartikelhersteller mit ökologischem Anspruch zugeschlagen. Wie der Konzern mitteilt, wurde mit Seventh Generation aus Vermont ein Kaufvertrag unterzeichnet. Wie viel sich Unilever den Zukauf kosten lässt, wird nicht offengelegt.

Andere Käufe zur Zeit nicht attraktiv

2015 hat der Neuzugang den Angaben zufolge 200 Mio. US-Dollar umgesetzt. Zudem habe das 1988 gegründete Unternehmen in den vergangenen zehn Jahren jährlich zweistellige Wachstumsraten verzeichnet. Das US-Wirtschaftsmagazin Fortune berichtet unter Berufung auf Insider, dass Unilever zwischen 600 und 700 Mio. Dollar in bar für den Spezialisten für WPR- und Hygiene-Produkte auf pflanzlicher Basis gezahlten haben dürfte. Im Gegensatz zu Mitbewerbern wie die Honest Company von Jessica Alba, an dem Unilever zuletzt Interesse nachgesagt worden war, setzt Seventh Generation auf den Vertrieb über Händler wie Target, CVS und Walgreens. Der Beitrag wurde aus der Lebensmittelzeitung übernommen.

Der Nordamerika-Chef von Unilever, Kees Kruythoff, sieht Seventh Generation auf einer Linie mit dem bestehenden Nachhaltigkeitsportfolio des Konzerns zu dem die Fair-Trade-Eiskrem-Marke Ben & Jerry’s und die Pflegemarke Dove gehören. Der CEO von Seventh Generation ist für Unilever dabei kein Unbekannter: John Replogle war bis 2006 für das nordamerikanische Hautpflegegeschäft des Konzerns verantwortlich.

Monsun und SUV beeinflussen die Ölpreise

Wie jeden Monat hat die Internationale Energieagentur (IEA) auch vorgestern wieder einmal ein schriftliches Update ihrer gegenwärtigen Einschätzung des globalen Rohölmarktes – den viel beachteten „Oil Market Report“ – vorgelegt. Und diese Status-Quo-Analyse fiel im September spürbar negativer aus als noch in den zurückliegenden Monaten. Kurz und unangenehm lautet die aktualisierte IEA-Botschaft: Aufgrund einer nachlassenden Nachfragewachstums-geschwindigkeit, einer robuster als erwarteten Rohölproduktion der Nicht-OPEC-Staaten und einer erhöhten OPEC-Förderung wird sich die Resynchronisierung von Angebot und Nachfrage auf dem Rohölmarkt auf der Zeitachse noch etwas weiter nach hinten verschieben. Ging die IEA bis dato davon aus, dass sich der seit dem Herbst 2014 im Ausnahmezustand befindende Rohölmarkt im Laufe des (späten) 2H 2016 wieder ausgleichen würde, kalkuliert die 29-Staaten-Organisation nun mit einem „Angebots-Nachfrage-Rendezvous“ im 2H 2017. Basierend auf der neuen IEA-Prognose antizipiert die IEA für die kommenden vier Quartale einen neuerlichen (kumulierten) Angebotsüberschuss von über 200 Mio. Barrel.

Am zuletzt wieder hoffnungsfroheren Rohölmarkt sorgte diese neue IEA-Klangfarbe für einen fühlbaren Stimmungsdämpfer. So knickte der Brent-Rohölpreis seit Veröffentlichung des IEA-Reports um immerhin 4% auf 46 USD ein. Hierfür dürfte sicherlich auch eine Rolle gespielt haben, dass auch die kurz zuvor veröffentlichten Monats-Berichte des US-Energieministeriums (DOE) und der OPEC – gleichwohl mit unterschiedlichen Begründungen – eine Spur negativer formuliert wurden als zuvor.

Ein wichtiger Impulsgeber für die vorgenommene IEA-Aktualisierung war eine zurückhaltendere Verbrauchsprognose für China und Indien vor dem Hintergrund der jüngsten Konsumdaten im Juni und Juli. Explizit wird der Rückgang des indischen Verbrauchswachstums im Juli angeführt, das sich nach einem stabilen Anstieg von 12% im Durchschnitt des 1H 2016 auf 5% im Juli abgekühlt hatte. Wie schnelllebig dieses „Impuls-Geschäft“ aber sein kann, zeigt sich exemplarisch an den von Indiens Ölministerium nahezu zeitgleich mit der IEA-Veröffentlichung bekannt gegebenen Verbrauchszahlen für den Monat August. Diese hatten nämlich einen Wiederanstieg des nationalen Konsumzuwachses auf über 11% zum Inhalt. Es spricht demgemäß Vieles dafür, dass die IEA-Statistiker den verbrauchshemmenden Einmaleffekt der Monsun-Überflutungen unterschätzt haben. Auch in China könnten Sondereffekte für die zuletzt deutlich schwächelnde Wachstumsgeschwindigkeit des Rohölproduktkonsums verantwortlich zeichnen. So litt im Sommer auch das Reich der Mitte unter massiven Überflutungen in diversen Landesteilen. Zudem ordnete Peking bereits im Vorfeld des jüngsten G20-Gipfels zur Verbesserung der Luftqualität umfangreiche Reduktionen der wirtschaftlichen Aktivität insbesondere in schadstoffreichen Industrien an. Der von einem spürbar steigenden SUV-Marktanteil (Sports Utility Vehicle) begleitete Pkw-Absatz in China in den ersten acht Monaten des laufenden Jahres (+13%) spricht jedenfalls nicht für eine ausgeprägte Rohöl-Diät.

Vor dem Hintergrund einer entsprechenden Ankündigung des Betreiber-Konsortiums wurde auf der Angebotsseite des IEA-Modells im September-Report zudem die Produktionsaufnahme des kasachischen Ölfeldes „Kashagan“ berücksichtigt. Dies könnte sich allerdings mit Blick auf die (sehr lange) Historie speziell dieses Ölfeldes als vorschnell erweisen. So wurde das aufgrund seines theoretischen Potenzials als „Elefanten-Feld“ bezeichnete Offshore-Vorkommen bereits im Jahre 2000 entdeckt und sollte ursprünglich im Jahre 2005 (!) online gehen. Erst Ende 2013 nahm Kashagan dann kurz seinen Dienst auf, um wegen einer porösen Pipeline-Infrastruktur umgehend wieder geschlossen zu werden.

Fazit: Solange es keine exakten „Produktionszähler“ an jeder Förderquelle dieser Erde und keine „Just-in-Time-Verbrauchsdaten“ für alle Konsumnationen gibt, ist die Formulierung von Angebots- und Nachfrage-Modellen aufgrund ihrer mannigfachen Einflussfaktoren (u.a. Preis, Geopolitik, Streiks, Wetter) eher eine nutzenstiftende Kunst als eine exakte Wissenschaft. Jeder Modell-Bauer, egal ob er nun DOE, IEA oder OPEC heißt, füllt das solchermaßen unvermeidliche Primärdaten-Vakuum mit auf Sekundärdaten basierenden Annahmen bzw. Erwartungen. Dass dabei subjektive Dateninterpretationen und auch Marktstimmungen eine Rolle spielen, zeigt sich u.a. daran, dass die IEA ihre US-Produktionsprognose just zu dem Zeitpunkt reduzierte, an dem sie das DOE nicht unwesentlich heraufgenommen hat! Angesichts der Flut der auf den Markt strömenden Daten tut man manchmal ganz gut daran, die kurzfristige Aufgeregtheit den Anderen zu überlassen und selbst einen Schritt zurückzutreten, um das große Ganze zu fokussieren. Dies ist nach unserem (subjektiven) Ermessen Folgendes: Als Folge massiver Investitionseinschnitte in den Jahren 2015, 2016 und mindestens wohl auch noch 2017 schrumpfen in diversen Nicht-OPEC-Staaten perspektivisch die Erzeugungsmengen (u.a. China, Indien, „Nordsee“). Angesichts einer gleichzeitig solide wachsenden Weltnachfrage und einer nur noch begrenzt steigerungsfähigen OPEC benötigt die Welt demgemäß spätestens ab dem Jahr 2018 wieder eine steigende US-Rohölproduktion („Call-on-USA“). Diese kommt erstens nicht über Nacht und zweitens nicht nur aus der derzeit gesuchten „Super-Schieferöl-Region“ Permian. Damit auch die übrigen – weniger kostengünstigen – US-Schieferöl-Regionen ihren Wachstumsbeitrag leisten können, braucht es eine wieder steigende US-Explorationsaktivität, die sich aber erst bei nachhaltig stabilen WTI-Rohölpreisen von 50-60 USD einstellt.

Dies ist ein weiterer toller Beitrag von Stefan Bielmeier aus seinem Blog.

Henkel verdient Geld mit Geld

Henkel verdient Geld mit Geld

 

Der Konsumgüterkonzern Henkel hat zur Finanzierung der Sun-Übernahme eine Anleihe platziert, die Investoren eine Rendite von weniger als null Prozent einbringt. Henkel verdient an dem „Darlehen“ also noch, während Investoren unter dem Strich Geld verlieren. Henkel und der französische Pharmakonzern Sanofi-Aventis sind die ersten privatwirtschaftlichen Unternehmen, die über Anleihen in Euro Geld mit einer negativen Rendite aufnehmen. Der Düsseldorfer Konsumgüterhersteller hat sich über einen Bond mit einer Laufzeit bis 2018 Finanzmittel im Volumen von 500 Millionen Euro beschafft. Die Rendite dieser Anleihe liegt bei minus 0,05 Prozent und der Zinskupon bei 0 Prozent – Henkel muss seinen Anlegern also weniger Geld zurückzahlen, als aufgenommen wurde. Auch die Rendite bei Sanofi, deren Anleihe ein Volumen von einer Milliarde Euro hat, liegt bei minus 0,05 Prozent.

Insgesamt hat Henkel Anleihen im Wert von 2,2 Mrd. Euro am Markt platziert, die das Unternehmen zur Finanzierung der Übernahme des Waschmittelherstellers The Sun Products Corporation benötigt. Neben der Anleihe mit negativer Emissionsrendite hat Henkel noch drei weitere Anleihen über 700 Mio. Euro, 750 Mio. US-Dollar und 300 Mio. Pfund platziert, die neutrale oder positive Renditen und Kupons bieten. Alle Anleihen seien deutlich überzeichnet gewesen, teilte Henkel mit. Zudem hat der Konzern ein dreijähriges Bankdarlehen in Höhe von rund einer Mrd. Euro aufgenommen.

Henkel und Sanofi profitieren bei der Geldbeschaffung von der Niedrigzins-Politik der Europäischen Zentralbank (EZB), die es für Anleger attraktiv macht, Geld mit geringen Verlusten zu verleihen statt es auf Bankkonten zu parken. Dort würden die Verluste nämlich noch höher ausfallen. Zudem hat die EZB in den vergangenen Monaten ihre Anleihekäufe auf Schuldtitel von Unternehmen kräftig ausgeweitet und damit die Renditen dieser Papiere gedrückt. Im Juli hatte die Deutsche Bahn als Quasi-Staatsunternehmen eine Anleihe mit negativer Rendite von minus 0,006 Prozent begeben. Der Konsumgüterkonzern Unilever emittierte dagegen kürzlich noch eine Anleihe mit knapp über 0 Prozent und einem Zinskupon von 0 Prozent. Der Beitrag wurde aus der Lebensmittelzeitung übernommen.

Konsumgüterhersteller wachsen langsamer

Die 50 wertvollsten Konsumgüterhersteller wachsen so langsam wie seit dem Jahr 2009 nicht mehr:

Rang* Unternehmen Sitz Umsatz im LEH** 2015 (in Mio. USD) Umsatzrendite 2015 in Prozent Kapitalrendite*** 2015 in Prozent
1 Nestlé CH 92.361 15,1 14,9
2 Procter & Gamble US 75.813 16,2 11,9
3 PepsiCo US 63.056 13,2 14,9
4 Unilever UK / NL 59.145 14,3 23,5
5 JBS BR 47.878 5,6 9,2
6 Coca-Cola Company US 44.294 22,2 12,5
7 AB InBev BE 43.604 31,9 13,0
8 Tyson Foods US 41.373 5,3 10,9
9 Mondelez US 29.636 30,0 17,8
10 L’Oréal F 28.042 18,0 18,0
11 Kraft Foods US 27.447 16,5 4,3
12 Philip Morris International US 26.794 40,0 55,2
13 Archer Daniels Midland US 25.217 3,7 9,4
14 Danone F 23.113 10,3 9,3
15 Heineken NL 22.772 15,8 11,0
16 British American Tobacco UK 20.031 44,2 25,6
17 Suntory JP 19.811 5,7 4,0
18 WH Group CN 19.147 7,2 10,7
19 Altria Group US 18.783 47,2 40,6
20 Japan Tobacco JP 17.851 25,1 19,0
21 General Mills US 17.630 12,3 12,1
22 SABMiller UK 16.534 33,1 14,0
23 Diageo UK 16.529 30,9 15,8
24 Colgate Palmolive US 16.034 17,4 32,0
25 Conagra US 15.832 2,1 2,5
26 Kimberly-Clark US 15.325 9,5 19,7
27 Kirin Breweries JP 15.213 1,8 2,0
28 Asahi Breweries JP 15.104 6,2 9,2
29 Grupo Bimbo MX 13.845 6,5 11,1
30 Reckitt Benckiser UK 13.565 25,3 20,3
31 Johnson & Johnson US 13.507 28 18,9
32 Kellogg Company US 12.344 7,4 9,0
33 SCA SE 11.688 9,5 9,1
34 Estée Lauder US 10.730 14,9 26,2
35 Reynolds American US 10.675 65,1 15,0
36 LVMH F 10.125 15,8 12,0
37 Kao JP 10.104 10,9 19,5
38 Arla Foods DK 10.026 3,9 8,0
39 Nippon Meat Packers JP 10.021 3,8 9,2
40 Royal Friesland Campina NL 10.018 5,2 11,7
41 Henkel D 9.959 14,5 17,0
42 Imperial Tobacco UK 9.823 15,9 9,6
43 Brasil Foods BR 9.819 13,1 14,0
44 Carlsberg DK 9.728 -0,3 -0,2
45 Pernod Ricard F 9.502 18,6 6,1
46 Hormel Foods US 9.264 11,6 23,3
47 Tingyi CN 8.994 5,9 8,1
48 Dean Foods US 8.122 1,2 5,5
49 Bunge Limited BM 8.092 3,0 10,2
50 Campbell Soup US 8.082 13,5 16,0

Die Lebensmittelzeitung veröffentlichte diesen Beitrag bereits im August.

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