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Monthly Archives: März 2016
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Was haben die Philippinen mit Value Investing gemeinsam?

Friseur

Ein Besuch bei einem philippinischen Frisör rechnet sich

Beim Besuch von Verwandten meiner Frau auf den Philippinen sind mir einige Interessante Dinge aufgefallen. Das Bild zeigt mich bei einem Friseurbesuch in San Fernando, La Union. In Deutschland zahle ich für einmal Haareschneiden ca. 12 €. Auf den Philippinen kostet der Besuch beim Friseur (inklusive Kopf, Nacken und Rückenmassage) lediglich 0,80 €. Der Mitarbeiter des Friseursalons hat sich ca. eine halbe Stunde Zeit für mich genommen. Da es lediglich ein Angestellter des Ladens war, gehe ich davon aus, dass er hochgerechnet auf einen Tag ca. 7 € Tagesverdienst erhält. Steuern und Versicherung wie in Deutschland lasse ich jetzt mal vollkommen außen vor.

Das Risiko, dass der Friseur mich nicht versteht, sein Handwerk nicht kann und Fehler macht, war groß. Ein Totalverlustrisiko (um in „Value Worten“ zu sprechen) war durchaus möglich. Da der Friseurbesuch jedoch auch in Deutschland demnächst fällig war, bin ich das Risiko eingegangen. Diese enormen preislichen Unterschiede zu unserem westlichen Industriestaat sind mir immer wieder aufgefallen. Absolut günstig auf den Philippinen sind Mitarbeiter.

Um in Warren Buffetts Worten zu sprechen: Ich habe also den Euro für ca 7 Cent bekommen.

Natürlich habe ich auch die Spritpreise betrachtet. Einen Liter Diesel bekommt man für ca. 0,50 €. Also ziemlich genau zur Hälfte im Vergleich zu den aktuellen deutschen Preisen. Mit großer Begeisterung habe ich festgestellt, dass Shell ein sehr großes Vertriebsnetz (also Tankstellen) betreibt und sich große Marktanteile sichert.

Tourismus auf den Philippinen

Leider erst am Tag vor unserer Abreise haben wir einen tollen Menschen kennengelernt. Stephan Lindenfeld ist mit PhilStep aus meiner Sicht ein Pionier unter den Tourismusmanagern im Norden der Philippinen. Das Land nördlich von Manila ist traumhaft schön und hat mit seinen riesigen Reisterrassen, Bergen, der Kolonialstadt Vigan und einheimischen Völkern einiges zu bieten. Die vielen Traumstrände rund um das Surfer Paradies San Juan sind aus meiner Sicht touristisch noch in der Aufbauphase. Dies bietet vor allem solchen Touristen tolle Möglichkeiten, die fernab von Pauschaltouristen Ruhe suchen und die Natur genießen möchten.

Auch ein gutes Investment! In diesem Fall in einen spannenden Urlaub abseits der ausgetretenen Tourismuspfade.

Die Exzesse des Mario Draghi und dessen Folge

Jede Dienstleistung und alle Güter besitzen einen Preis. Der Preis wird gezahlt um die Wertschöpfung zu zahlen. Die EZB (Europäische Zentralbank) hat mit den aktuellen geldpolitischen Mitteln die Marktteilnehmer überrascht und dieses oben genannte Gesetz gebrochen.

Der Preis für Geld, nämlich der Zins ist auf 0 % gesunken. Darüber hinaus wurde das Anleihen Kaufprogramm stark ausgeweitet.

„In einem Meer mit ständig steigendem Wasserpegel ist es schwierig auf Grund zu laufen“

Diese Metapher soll bedeuten, dass die internationalen Börsen angesichts der Geldschwemme stark volatil sind und wohl eher Richtung Norden tendieren werden (Annahme). Gleichzeitig wird es bei steigenden „Wasserständen“ auch schwierig, „trockenes Land und einen sicheren Hafen zu erreichen“

Mario Draghi möchte mit den jüngsten Maßnahmen mit aller Kraft gegen schwache Inflationsaussichten kämpfen. Stefan Bielmeier hat in seinem Blog ein Video mit einigen Einschätzungen zu den aktuellen EZB Schritten gepostet. Ob die Schritte wirkungsvoll sind, kann man wie so oft zum jetzigen Zeitpunkt nicht abschließend beantworten.

Was beunruhigt mich an der Sache?

Zwei Dinge:

Die Bild Zeitung schreibt, man soll jetzt Aktien kaufen. Dies war in der Vergangenheit immer ein sehr treffender Indikator für folgende Aktienmarkteinbrüche.

Zum anderen habe ich in der Süddeutschen Zeitung (ein in Sachen Wirtschaft wohl seriöseres Blatt) von einem Whisky Fonds gelesen. Der Fonds spekuliert (Entschuldigung, aber für mich ist das nichts anderes als Spekulation) darauf, dass ältere Whisky Flaschen im Wert stark ansteigen. Der Fondsvertrieb war in der Lage 9 Millionen Dollar in Hong Kong einzusammeln. Ein klares Zeichen der Spekulation ist für mich die fehlende Wertschöpfung. Es steht kein Unternehmen dahinter das einen Veredelungsprozess vornimmt und einen Mehrwert schafft. Für mich sind solche Anlageformen ein klares Zeichen von Übertreibungen und Fehlallokationen des Geldes.

Da Draghi und andere Notenbanker Geld rund um den Globus stark abwerten, quasi wertlos machen, sucht das Geld andere Kanäle. Die Börsen- und Immobilienmärkte sind durch die Geldfluten und niedrigen Zinsen überbewertet, also werden von den Investmentbankern neue Anlagemöglichkeiten erfunden. Der Vergleich zu den synthetischen Kreditverbriefungen vor der Finanzkrise 2008 ist m. E. stark zutreffend.

Warren Buffett sagt zu solchen Anlageformen:

„Die Börse ist lediglich ein Marktplatz. Die Wertschöpfung findet in den Unternehmen statt“

Ich kann die Zukunft nicht vorhersehen. Ich kann mich nur darauf vorbereiten. Cash wird jetzt zwar abgewertet. Die Bedeutung als Call Option in der Zukunft ist davon jedoch unangetastet.

Warren Buffett kauft Ölunternehmen, aber…

 

Er ist unglaublich: Während die Welt den „Todesstoß“ für den Ölpreis befürchtet, weil der große Erdölförderer Iran an den Weltmarkt zurückkehrt, kauft die Investmentlegende Warren Buffett munter Anteile von Ölfirmen.   Der 85-jährige Multimilliardär zeigt, dass er auch im hohen Alter an einem Leitspruch festhält:

„Sei gierig, wenn andere ängstlich sind“

– Warren Buffett –

Dieser Spruch ist einer seiner berühmtesten. Er kann zufrieden damit sein.

Und Buffett ist mit seinen Investments voll im „Öl Rausch“. Er hat die marode Ölbranche schon vor längerer Zeit für sich entdeckt. Sein jüngster Coup nun, wie zahlreiche US-Medien übereinstimmend melden, ist der angebliche Kauf von 26,5 Millionen Aktien des in Houston ansässigen Pipelinebetreibers Kinder Morgan. Der Wert der Beteiligung beläuft sich auf 396 Millionen Dollar. Der Deal fand offenbar bereits im Dezember statt. Zu welchem Preis der Altmeister einstieg, ist nicht bekannt. Er witterte wohl aber ein Schnäppchen. Die Papiere des Industrieunternehmens waren seit April vergangenen Jahres mit dem Ölpreisrutsch um rund zwei Drittel gefallen.

Darüber hinaus stockte Buffet auch seinen Anteil an Phillips 66 um 14,3 Prozent weiter auf, wie die Medien berichten. Sechs Milliarden US-Dollar war ihm das Folge-Investment wert. Seine Investmentgesellschaft Berkshire Hathaway ist mittlerweile der mit Abstand größte Aktionär bei dem Erdöl-Raffinerie- und Tankstellenbetreiber. Zuletzt hatte Buffett Mitte Januar dazugekauft, kurz bevor der US-Ölpreis erstmals seit 12 Jahren unter die Marke von 30 Dollar je Barrel fiel. Philipps 66 gehört zu den größten Ölfirmen der Welt.

Aber….

Der große Unterschied von Kinder Morgan zu anderen Ölfirmen ist, dass Pipelines und Raffinerien andere Werttreiber aufweisen  als „nur“ den Ölpreis. Im Gegenteil. Raffinerien besitzen bei niedrigen Ölpreisen eine hohe Profitabilität, da sie den Rohstoff günstig einkaufen können.

Private Ölförder vs. Staatliche Ölförderer

 

Für mich sind die aktuellen Ölpreise unter anderem auch ein Ergebnis der verschiedenen Interessen einzelner Staaten. Der Großteil der Ölförderung wird durch staatliche Unternehmen organisiert. Länder wie z. B. Russland, Venezuela oder der Iran haben großes Interesse, Marktanteile zu sichern um von zukünftigen Ölpreissteigerungen zu profitieren. Die genannten Staaten leiden jedoch stark unter den gefallenen Ölpreisen. Die Haushalte der Staaten sind zu gr0ßen Teilen abhängig von den Ölexporten. Da die Devisenreserven in den Ländern gering und auch die Wirtschaft vor Ort schwach ist, leidet das komplette Land.

Andere Länder wie z. B. Saudi Arabien hingegen stehen besser da. Der Wüstenstaat ist seit den 60er Jahren einer der größten Erdölförderer der Welt. In der jetzigen Phase hält das Land die Förderung hoch um die Preise niedrig zu halten. So sollen (relativ) neue Marktbegleiter, wie z. B. US Fracker aus dem Markt gedrängt werden. Zwar leidet Saudi Arabien ebenfalls unter den niedrigen Rohstoff Preisen. Der Staat sitzt jedoch nach wie vor auf erheblichen Devisenreserven und kann sich eine lange Durststrecke erlauben.

Die Staatskonzerne sind dabei weit weniger bekannt als westliche private Energieriesen wie ExxonMobile, Shell oder BP. Private Unternehmen sind an Gewinnmaximierung  interessiert. Der teilweise um 70 Prozent gefallene Preis für den Hauptrohstoff ist für die Unternehmensbilanzen sehr schlecht. Hohe Quartalsverluste sind oftmals die Folge.

Wer steht auf welcher Seite?

Höhere Ölpreise

  • ExxonMobile
  • Shell
  • BP
  • Rosneft (staatlich)
  • PDVSA

Weiterhin niedrige Ölpreise

  • Aramco (staatlich)

Man kann also keine klare Linie der staatlichen oder privaten Unternehmen erkennen. Der Ölmarkt bleibt komplex und Prognosen über zukünftige Preise unsicher. Das Paradigma der Preissetzungsmacht durch die OPEC scheint jedoch durch die innovativen Fracking Unternehmen aufgebrochen zu sein. Sobald die Preise etwas steigen, steigen auch die Bohrlöcher in den USA. Die im Anschluss steigenden Rohstoff Angebote lassen das „Pflänzchen Ölpreissteigerung“ wieder verwelken.

Anbei noch eine kleine Übersicht staatlicher Ölförderunternehmen aus einem meiner früheren Beiträge:

Saudi Arabien

Die staatliche Ölfirma Aramco ist das wertvollste Unternehmen der Welt. Der saudische Staatshaushalt speist sich zu ca. 90 Prozent aus Öleinnahmen. Gerade wegen dieser Abhängigkeit trifft der Preisverfall den weltgrößten Erdöl-Exporteur besonders hart: Der Internationale Währungsfonds sagt dem Land ein massives Defizit voraus. Enorme Währungsreserven versetzen Saudi Arabien und Aramco aber in die Lage, an ihrer Politik festzuhalten und weiter große Mengen Öl in den Markt zu pumpen. Der Chef von Aramco Khalid Al-Falih ließ zuletzt verlauten, dass der Konzern seine Investitionen nicht kürzen werde. Dies wird allgemein als Ablehnung zur Fördersenkung gesehen.

Russland

Rosneft ist nach eigener Darstellung der weltgrößte Ölproduzent in staatlicher Hand – die Regierung kontrolliert 69,5 Prozent der Anteile. Der Ölpreisverfall setzt jedoch den Rosneft und somit auch dem Staatshaushalt unter Druck. Der russische Staat will jetzt bis zu 20 Prozent seiner Anteile verkaufen und Geld in die russische Kasse spülen. Traditionell enge Verbindungen zum Kreml verschaffen eine bedeutende Stellung: Vorstand Igor Setschin gilt als enger Vertrauter von Präsident Wladimir Putin. Nach der Zerschlagung des Yukos-Konzerns konnte sich Rosneft 2004 die Filetstücke einverleiben. Die Reserven belaufen sich laut Angaben des Unternehmens auf knapp 34 Milliarden Barrel Öl.

China

Sinopec steht für China Petroleum and Chemical Coporation. Das Unternehmen stand 2015 auf Platz zwei der Forbes Rangliste der weltweit größten Unternehmen. Der Staatskonzern ist der größte Raffineriebetreiber in Asien. Das Unternehmen ist mit seinen Tochterfirmen nicht nur in China, sondern auch anderen Ländern tätig. Auch Sinopec gerät mit dem Ölpreisverfall unter Druck. Die Fördermenge ging 2015 bereits um 4,7 Prozent zurück. Die Gasproduktion stieg zuletzt jedoch um 2,6 Prozent. Somit ist die Gesamtproduktion in 2015 zum ersten Mal seit 16 Jahren gefallen.

Venezuela

Der komplett im Staatsbesitz befindliche Konzern PDVSA ist das größte Erdölunternehmen Lateinamerikas und schwer unter Druck: Mit seinen Einnahmen werden die Sozialprogramme finanziert – bei einem Preis von 30 Dollar je Barrel ist das aber kaum noch möglich. Unternehmensangaben zur Folge kann PDVSA zu 13 Dollar je Barrel fördern. Eine Tankfüllung kostet umgerechnet keine fünf Cent. Das Land mit den größten Ölreserven subventioniert Benzin mit rund zehn Milliarden Dollar im Jahr. Exporte von insgesamt 1,4 Millionen Barrel pro Tag in die USA, China und andere Karibikstaaten sind lediglich ein Tropfen auf dem heißen Stein.

Iran

Die National Iranian Oil Company ist eine staatliche Firma und Teil des iranischen Ölministeriums. Die Verstaatlichung der iranischen Ölindustrie im Jahre 1951 war ein Wendepunkt in der iranischen Ölpolitik. Seit diesem Zeitpunkt ist der Staat für den Ausbau der Ölindustrie, den Export des iranischen Öls und die Koordinierung mit der OPEC zuständig. Das international tätige Unternehmen sitzt in der Hauptstadt Teheran. Der Geschäftsführer Rohneddin Dschawadi ist zugleich Vize von Ölminister Bidschan Namdar Sanganeh. Wie seit Ende letztem Jahr bekannt ist, will der Iran seine Ölproduktion in 2016 von 2,9 Millionen auf fast vier Millionen Barrel je Tag erhöhen.

Private Ölunternehmen wie z. B. ExxonMobile, Shell oder BP sind „Fliegengewichte“ im Vergleich zu den staatlichen Ölunternehmen.

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